Von Ute Jenschur – Am Anfang und am Ende des Frühjahrskonzerts der Stadtkapelle Leonberg steht ein klassischer Marsch. So wie sich das für ein großes Blasorchester gehört. Dazwischen interpretieren Trompete, Posaune, Tuba, Horn, Klarinette, Fagott, Saxofon und Querflöte moderne Musicals, Film- und Rockmusik.

Nach dem Auftakt mit dem Konzertmarsch „Arsenal“ von Jan Van der Roost, entführt die Stadtkapelle die Zuhörer auf den Schwingen eines Adlers. Von Posaunen getragen hört man förmlich, wie der Adler sich erhebt, bis er mit frischem Flügelschlag unter leichter Klarinettenuntermalung durch die Lüfte schwebt. Es folgen die bekannten Songs „Aquarius“ und „Let the Sunshine in“ aus dem Musical „Hair“ und Höhepunkte aus dem „Tanz der Vampire“, mit seinem bekanntesten Song, „Total Eclipse of the Heart“, ein gewaltiges Stück, ideal für das große Blasorchester.

Es herrscht gute Stimmung bei der Stadtkapelle, es ist Ruhe eingekehrt im Verein. Der neue Interims-Dirigent Jörg Weiß sorgte in der Kürze der Zeit für den Feinschliff bei den Musikern, und so wird das Frühjahrskonzert zu einem musikalischen Genuss, auch wenn nur sechsmal zusammen geprobt werden konnte. „Die Musiker sind Profis“, lobt Weiß das Orchester.

Wie geht’s weiter?

Der Dirigent ist kein Unbekannter, er hat die Stadtkapelle bereits von 1993 bis 2003 geleitet. Der gelernte Holz-Instrumentenbauer hat sich auf Klarinette spezialisiert. Dieses Fach unterrichtet er auch als Musiklehrer in seiner Heimatstadt Besigheim. Seit April ist er im Amt, vorläufig hat er bis Ende des Jahres zugesagt. Wie es weitergeht, ist noch offen.

Nachdem die Mitgliederversammlung der Stadtkapelle vor kurzem nach hoch emotionalen Diskussionen die Zustimmung zu Fusionsgesprächen mit dem Musikverein Lyra Eltingen gegeben hat, geht der Vereinsvorsitzende der Stadtkapelle, Harald Zeeb, davon aus, dass es 2019 soweit sein könnte. „Vielleicht ist ja ein von der Stadt stärker gefördertes großes städtisches Blasorchester in Zukunft möglich“, das wäre ein Wunsch von Harald Zeeb.

Deutlich sichtbar ist beim Frühjahrskonzert der Stadtkapelle bereits die seit Jahren bestehende Kooperation mit der Lyra, die an diesem Abend sieben Musiker leihweise auf die Bühne schickt.

Blockflöte und Blasmusik

Im zweiten Teil des Konzertes tritt ein Projektorchester auf, das seit Längerem aus Jugendlichen beider Vereine und anderen jungen Bläsern besteht. Ein bemerkenswertes junges Nachwuchstalent ist der zwölfjährige Lukas Oscheja, der an den kleinen Bongo-Trommeln und dem Schlagzeug mit viel Gefühl für Rhythmus überzeugt. Zu dritt teilen sich die Jugendlichen die Arbeit an den Schlagzeugen, geben dem Orchester den Rhythmus vor und wechseln sich dabei im Team an den einzelnen Instrumenten ab. Alle drei kommen von der Lyra, da die Stadtkapelle keine eigenen Jugend-Schlagzeuger hat. Das Jugend-Projektorchester spielt einen Samba und Auszüge aus Spielfilmen und Musicals. Gemeinsam mit den Blockflötenkindern der Jugendmusikschule rocken sie den „Recorder Rock“, eine spezielle Komposition für Blockflöte und Blasmusik.

Im dritten Teil zeigt die Stadtkapelle nochmals ihr ganzes Können mit dem „König der Löwen“, „Findet Nemo“ und einer besonderen Rock-Spezialität: Dörte Seible gibt bei „Baker Street“ ein beachtliches Saxophon-Solo. Bei der Zugabe kehrt die Stadtkapelle wieder zu ihren Ursprüngen zurück und begeistert die Gäste mit dem Berliner-Luft-Marsch.